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Liebe Wimmerrickser und solche, die es werden möchten,

aktuelles zuerst:
Friedrich Merz gab zu Beginn seiner Amtszeit als CDU-Vorsitzender das Ziel aus, den Stimmenanteil der AfD zu halbieren. Wir alle haben uns wohl verhört, er meinte kopieren nicht halbieren, wie wir heute wissen.

Das Unwort des Jahres müsste eigentlich WACHSTUM sein, denn Wachstum ist nicht die Lösung, sondern das Problem zumindest für das im Wahlkampf völlig vernachlässigte Thema Klimakatastrophe.
Zur Erinnerung: In Valencia kam an einem Tag so viel Regen herunter wie normalerweise über das ganze Jahr verteilt. Um das zu begreifen sollte man sich vorstellen man müsste die Jahresmenge Alkohol, die man so trinkt, an einem Tag bewältigen. Von LA ganz zu schweigen.

Dazu zwei Texte von und mit Michael Ende.

1. Einem Text aus meinem Programm

"Ihm ging es um die Kunst"
Lieder, Texte und Geschichten von und über Michael Ende

Geld und Wachstum, aus dem Buch, Der Zettelkasten.

Es ist vollkommen wahnwitzig zu glauben – oder doch mit glatter Stirn zu behaupten -, man könne alle Eventualitäten bei der Verwendung atomarer Energie, sei diese nun militärisch oder „friedlich“, kontrollieren und in den Griff bekommen. Das wissen die Verantwortlichen aller Lager nur zu gut. Dennoch werden sie nach jedem GAU von neuem beteuern, dass dieser nun ganz bestimmt der letzte gewesen sei und sich ähnliches nie mehr ereignen werde. Das war bisher so, das wird so bleiben.
Der Grund für das verzweifelte Sichblindstellen liegt in einem Wirtschafts- und Finanzsystem, das inzwischen alle Merkmale einer veritablen Karzinombildung angenommen hat: Es muss ständig wachsen, um zu existieren. Dieses Prinzip gilt für den ehemaligen Staatskapitalismus ebenso wie für den noch existierenden Privatkapitalismus. Man muss sich klar darüber sein, dass es in unser gegenwärtigen Welt überhaupt kein praktisches Beispiel einer nichtkapitalistischen Wirtschaft gibt, also einer, die der Bedürfnisbefriedigung der Menschen dient, ohne einem Wachstumszwang zu unterliegen. Dieses „wunderbare“ Wachstum kommt aber eben nicht aus nichts. Die horrenden Kosten zahlt heute die Dritte Welt und, global, die Natur, die rücksichtslos ausgebeutet und zerstört wird. Und wo die natürlichen Ressourcen nicht mehr ausreichen, muss der ständig wachsende Energiebedarf eben durch „unnatürliche“ befriedigt werden. Es bedarf wahrlich keiner großen Phantasie, sich vorzustellen, wo diese Entwicklung hinführt. Es hat auch keinen Zweck, an den erschreckenden Folgesymptomen herumzuflicken. Das ganze Wirtschaftssystem muss eben geändert werden. Aber das kann man nicht, oder man will es auch nicht.
Ich bin überzeugt, dass die großen Wirtschaftsleute und die verantwortlichen Politiker aller Lager dieses Problem längst sehen – aber sie schweigen. Sie wagen nicht darüber öffentlich zu sprechen. Denn eine Partei, die ernsthaft eine alternative, das heißt nicht kapitalistische Wirtschaftsform auf ihr Programm setzten würde, wäre aus mancherlei Gründen sehr schnell weg vom Fenster. Sie würde wohl nicht einmal Wähler finden. Also werden es, wie ich fürchte, die Ereignisse sein, die uns belehren.

Er hat noch einen wunderbaren Satz als Ergänzung:
Auf einem Dampfer, der in die falsche Richtung fährt, kann man nicht sehr lange in die richtige Richtung gehen.

2. Das Streiflicht, Süddeutsche Zeitung vom 17.1.2025

(SZ) Wer mit den Fernsehsendungen der Augsburger Puppenkiste aufgewachsen und dank Kater Mikesch oder dem Urmel zu einem sonnig hellen Weltbild gelangt ist, kennt gewiss den Herrn Tur Tur. In Michael Endes Geschichten von „Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer“ taucht der Herr Tur Tur in der Wüste „Ende der Welt“ auf, eine Gestalt am Horizont, die so riesig ist, dass dem kleinen Jim Knopf vor Angst die Knie schlottern. Doch je näher Jim und Lukas dem Giganten kommen, desto kleiner wird er. Am Ende entpuppt er sich als Mensch von normaler Konfektionsgröße, freundlich obendrein, aber auch traurig, weil ihn alle fürchten. Der einsame Herr Tur Tur ist ein Scheinriese, ein Mann, der nur von Weitem aussieht wie ein Monstrum. Man muss sich nur rantrauen, dann geschieht etwas Wunderbares: Er schrumpft. Dieses Schrumpfen ist wie eine Erlösung: Die Angst der anderen schwindet, und Tur Tur ist nicht mehr allein.
Tritt man aus der zauberhaften Welt der Puppenkiste in die schauderhafte Welt der Konjunkturberichte, dann klingt das Wort „schrumpfen“ so unheilvoll wie der Komtur in Mozarts „Don Giovanni“. Die deutsche Wirtschaft schrumpft, ist überall zu lesen, sie schrumpft seit zwei Jahren, und Deutschland, der einstige Export-Weltmeister, ist jetzt Schrumpf-Weltmeister. Vor ein paar Jahren noch haben wir über die bankrotten Griechen gelästert, die unsere schönen Kredite verpulvern, heute schicken ebendiese Griechen Carepakete voll Gyros und Zaziki ins marode Deutschland. Ja, das ist peinlich, doch noch lange kein Grund, das weiße Handtuch zu hissen. Noch können wir uns selbst aus dem Schrumpf ziehen. Solange es genug Leute gibt, die ihre Milliarden vor der Steuer retten können, gibt es Hoffnung. Man muss nur endlich an die sagenhaften Vermögen der Kleinverdiener ran. Aber darum soll sich die FDP kümmern, die kennt sich aus mit Schrumpfungsprozessen.
Unabhängig von FDP und anderen dunklen Mächten folgt die Weltwirtschaft einem bewährten Mechanismus: Schrumpfen führt in den Abgrund, Wachstum auch. Kein Mensch sieht da noch die wunderbare Seite des Schrumpfens, den Tur-Tur-Effekt. Stattdessen hören alle nur auf das Geschrei nach Größe und Expansion, und der lauteste Schreier, der „Make America Great Again“ zur Weltformel ausgerufen hat, lässt keinen Zweifel, unter welcher Haartolle der Größenwahn sitzt. Manchmal, wenn er zu tanzen versucht, erinnert der Mann an ein prähistorisches Riesenfaultier. Diese elefantengroßen Säuger waren körperlich und geistig schwerfällig und sind ausgestorben – aber nicht alle. Die Klügeren sind geschrumpft, haben sich in kleine Baumbewohner verwandelt, die faul herumhängen und die Welt rücklings bestaunen. Oft huscht ein Lächeln über ihr Gesicht, als wollten sie sagen: Wer rechtzeitig schrumpft, geht nicht unter.

Nur noch der dringende Aufruf an alle Baden-Württemberger bei diesem Volksbegehren mitzumachen und auch aktiv dafür zu werben. Bitte auch weiterempfehlen!

Wenn wir schon mal die Chance der direkten Demokratie haben, sollten wir sie auch nutzen. Nicht nur klagen sondern auch handeln.
Durch die Änderung des Wahlgesetzes droht der Landtag der größte der Republik zu werden, denn bleiben die 70 Wahlkreise unverändert droht 2026 ein übergroßer Landtag mit
zusätzlichen Kosten von 200 Millionen Euro pro Legislaturperiode

(laut Landesrechnungshof). Wir
können etwas dagegen tun mit diesem Volksbegehren:
Landtag BW verkleinern

Es grüßt euch mit geschrumpften und unendelichen Grüßen

Rainer Markus Wimmer

2025, sollte das Jahr der Phantasie werden, ein Michael Ende Jahr

Meine Termine unter Termine wo sonst!


Der Wimmerrick zum Januar

Die Wahrheit

Die Wahrheit ist verwirrend.
So ist es leider heut zu Tag.
Drum sucht ein jeder irrend,
Die Wahrheit, die er mag.

Es dürft sie nicht im Plural geben,
So sagt es uns die Wissenschaft
So lasst uns nach der einen streben
Ohne Hass mit Leidenschaft.

© Rainer Markus Wimmer

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